Rudolf Spielmann
(1883-1942)


In der Eröffnung muß ein Meister wie ein Buch spielen, im Mittelspiel wie ein Zauberer und im Endspiel wie ein Automat. (R.Spielmann)

Der österreichische Spieler Rudolf Spielmann wurde am 05. Mai 1883 in Wien geboren. Er wurde für seinen kühnen und aggresiven Stil "der letzte romantische Spieler" genannt. Wie die meisten Großmeister zu Anfang des 20. Jahrhunderts spielte er oft das Königsgambit.

Zeitgenossen von ihm waren Aljechin, Capablanca, Löwenfisch, Lasker, Teichmann, Tarrasch, Maroczy, Breyer, Bogoljubov, Dus-Chotimirski, Vidmar, Burn, Rubinstein, Grünfeld, Schlechter, Mieses, Sämisch, Wolff, Duras, Marshall, Nimzowitsch, Alapin, Tartakower, Rabinovitch, Marco und andere. Trotz dieser starken Konkurrenz konnte er einige beeindruckende Erfolge in seiner Laufbahn erzielen. Er nahm an mehr als 120 Turnieren teil, von denen er 33 gewann. Einige Beispiele seiner Erfolge:

Der Sieg beim Turnier 1926 in Semmering war ein großer Triumph Rudolf Spielmanns, den eigentlich wollte man ihm wegen seiner vorherigen schwächeren Leistungen nicht starten lassen.

Obwohl er ein Berufsspieler war, betätigte er sich auch als Schriftsteller und Journalist: sein bekanntes Buch "Richtig Opfern" war lange ein sehr geschätztes Werk. Es war das erste Buch, das eine Klassifizierung des Opfers festlegte.

Hier soll noch ein berühmter Brief und die Umstände seiner Entstehung erwähnt werden, welche für ein großes Echo zu ihrer Zeit sorgten.

Capablanca war wahrscheinlich der gerechteste Weltmeister der Geschichte des Schachs. Er akzeptierte nicht nur im Jahre 1927 den Revanchekampf gegen Aljechin, sondern er hatte auch im Jahr nach der Erringung seines Weltmeistertitels das "Protokoll von London" erarbeitet. Dieses war ein Regelwerk, welches es auf eine objektive und klar definierte Weise allen Schachspielern erlaubte, ihn zum Weltmeisterschaftskampf herauszufordern.
Der Nutznießer davon war Aljechin, welcher dadurch entgegen aller Voraussagen, Capablanca 1927 besiegen konnte und Weltmeister wurde. Er versuchte anschliessend mit allen Mitteln, einen Revanchekampf oder ein Zusammentreffen mit potentiellen Gegnern zu verhindern. Das wurde aus einem mutigen "Offenen Brief" bekannt, den Rudolf Spielmann 1934 an den Weltmeister richtete:

Sehr geehrter Herr Weltmeister Dr. Aljechin!

Sie werden wohl staunen, Herr Weltmeister, über meine Unverfrorenheit, die selbst vor den Stufen des erhabenen Weltmeisterthrons kein Halt kennt. Aber ich klage an! Natürlich nicht Ihr geniales Spiel, für das ich als Schachenthusiast nur Hochachtung und Bewunderung übrig habe. Nein, meine Klage gilt nicht dem Weltmeister Dr. Aljechin, sondern dem Kollegen Dr. Aljechin...Sie haben in San Remo 1930 und Bad Bled 1931 neben dem Extrahonorar noch besondere Bedingungen gestellt und dadurch Capablanca von diesen Turnieren praktisch ausgeschaltet. Natürlich haben Sie Capablanca nicht direkt abgelehnt, sondern einen viel versteckteren Weg gewählt, der aber nichts an den Sachverhalt ändert, den ich als Branchenkundiger wohl zu durchschauen vermag. Muß denn Capablanca für seinen überlegenen Sieg in New York 1927 so arg büßen? Aber lassen wir die Vergangenheit begraben sein und befassen uns lieber mit Ihrem Kollegen Nimzowitsch, der doch nach Ihnen und Capablanca der erfolgreichste Meister der Gegenwart sein dürfte. Scheint es nicht auffallend, daß er weder nach London 1932 noch jetzt nach Bern eine Einladung erhalten hat? Mindestens wäre es für Sie leicht gewesen, eine Einladung an Nimzowitsch durchzusetzen. Als Dr.jur. wird Ihnen der "dolus eventualis" (bewußte Fahrlässigkeit, d.A.) bekannt sein...

Mein lieber Weltmeister, verdreschen Sie weiter Ihre Gegner, möge Ihnen zum Entzücken der ganzen Schachwelt noch viele Großtaten gelingen, nur gewöhnen Sie sich das Kommandieren ab, sonst müßte ich Ihnen das bibliche Wort des Propheten Hosea, frei nach Marco zurufen: Wind säet er, und Sturm wird er ernten. Das Maß ist voll, jenseits und diesseits des Ozeans mehren sich die Stimmen, die sich gegen die Diktatur des Weltmeisters auflehnen.

Als Jude floh er vor der Verfolgung der Nazis aus Deutschland und dem angegliederten Österreich nach Schweden, wo Rudolf Spielmann am 20. August 1942 in Stockholm in großer Armut verstarb. Sein Grabstein wird vom schwedischen Schachbund gepflegt. Die Inschrift lautet (übersetzt aus dem schwedischen):

Hier ruht Schachgroßmeister
Rudolf Spielmann, geboren 1883 in Wien,
gestorben 1942 in Stockholm

Als ruheloser Flüchtling, vom Schicksal
schwer geschlagen, fand er ein Zuhause
bei seinen schwedischen Freunden.

Schwedens Schachspieler bewahren durch die
Aufstellung dieses Steins das Andenken an
einen genialen Meister und edlen Menschen.


Als Beispiel des Könnens von Rudolf Spielmann jene Partie, die als selbst als seine beste (Spielmann-Rubinstein, 1911) bezeichnete. Es mag sein, daß er brillantere Partien spielte, aber wie er selbst sagte: "Es nicht dasselbe, einen Großmeister zu schlagen oder Akiba Rubinstein zu bezwingen!"

Danke an Gérard Demuydt (Autor einer französischen Seite über Rudolf Spielmann) für seine Hilfe!


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Letzte Änderung am 15.08.2003
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